Wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Deutschland

Die konjunkturelle Lage in Deutschland war – trotz zahlreicher internationaler Unsicherheiten – im Jahr 2016 gekennzeichnet durch ein solides und stetiges Wirtschaftswachstum. Nach den aktuellen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wuchs das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorjahr kräftig um 1,9 Prozent und damit so deutlich wie seit 2011 nicht mehr. Damit setzte sich die erfreuliche konjunkturelle Entwicklung der letzten Jahre fort. In den beiden vorangegangenen Jahren war das BIP in einer ähnlichen Größenordnung gewachsen: 2015 um 1,7 Prozent und 2014 um 1,6 Prozent.

Angetrieben wurde die wirtschaftliche Entwicklung insbesondere durch die inländische Verwendung. Laut Bundesamt verausgabten die privaten Verbraucher rund 2 Prozent mehr als im Vorjahr, die staatlichen Konsumausgaben erhöhten sich – nicht zuletzt aufgrund der hohen Zuwanderung von Schutzsuchenden und daraus resultierenden Ausgaben – mit 4,2 Prozent sogar noch deutlich stärker. Insgesamt stiegen die Konsumausgaben um 2,5 Prozent und waren damit erneut der stärkste Treiber des deutschen Wirtschaftswachstums. Auch die Bruttoanlageinvestitionen stützten im vergangenen Jahr die konjunkturelle Entwicklung und steigerten sich um 2,5 Prozent.

Im Ergebnis entwickelte sich die Wirtschaftsleistung in 2016 etwas stärker als zu Beginn des Jahres prognostiziert. Die Bundesregierung rechnete im Frühjahr mit einem Wachstum von 1,7 Prozent.

Zusammenfassend zeigt sich laut Statistischem Bundesamt für 2016 folgendes Bild der wirtschaftlichen Entwicklung:

  • Der Konsum war mit einem Wachstumsbeitrag von +1,9 Prozentpunkten erneut die treibende Kraft.
  • Der Wachstumsbeitrag der Bruttoinvestitionen war insgesamt leicht positiv (+0,2 Prozentpunkte).
  • Der Außenbeitrag hingegen bremste das wirtschaftliche Wachstum geringfügig, da die Importe im Jahresverlauf stärker zunahmen als die Exporte.

Getragen wurde die konjunkturelle Entwicklung in 2016 nicht zuletzt durch die positive Entwicklung des Arbeitsmarkts. Die Zahl der Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erhöhte sich deutlich und erreichte 2016 mit 43,5 Millionen einen neuen Höchststand. Gleichzeitig sank die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt erstmalig seit 1991 unter die Marke von 2,7 Millionen. Neben der guten Beschäftigungssituation waren die kräftige Einkommensentwicklung, der niedrige Ölpreis sowie das niedrige Zinsniveau zentrale Treiber des inländischen Konsums.

Die öffentlichen Haushalte setzten im Jahr 2016 ihren Konsolidierungskurs fort und erzielten einen Überschuss von 23,7 Milliarden Euro. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes betrug die am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen gemessene Überschussquote 0,8 Prozent.

Die Kapitalmarktzinsen im Jahr 2016 waren, wie schon im Vorjahr, geprägt vom Niedrigzinsumfeld aufgrund des Anleiheankaufprogrammes der EZB, der negativen Einlagenverzinsung sowie einigen politischen Ereignissen. Im ersten Quartal wurde der Einlagensatz der EZB weiter auf -0,40 Prozent gesenkt, sodass die Kapitalmarktzinsen die Tiefstände des Vorjahres erreichten. Nach dem Austrittsvotum der Briten aus der EU sind die Zinsen weiter gefallen und markierten neue Tiefstände. Die Renditen von Bundesanleihen fielen auch im langfristigen Bereich auf negative Werte. So erreichten 10-jährige Bundesanleihen im dritten Quartal eine Rendite von ca. -0,15 Prozent, die vergleichbaren 10-jährigen Zinsswaps fielen bis auf ca. 0,25 Prozent und lagen noch leicht im positiven Bereich. Erst im vierten Quartal des Jahres 2016 zogen die langfristigen Renditen wieder deutlich an bis auf 0,40 Prozent für Bundesanleihen und 0,80 Prozent für Zinsswaps mit 10 Jahren Laufzeit. Die Gründe dafür waren die leicht steigende Inflation, unter anderem wegen höherer Ölpreise, der überraschende Wahlausgang in den USA einschließlich der Ankündigung von Investitionen in die Infrastruktur sowie die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen in den USA. Kurze Laufzeiten am Geldmarkt blieben hingegen stabil im negativen Zinsbereich.

Insgesamt gab es 2016, wie schon im Vorjahr, ein sehr günstiges Kapitalmarktumfeld, in dem die öffentlichen Haushalte durch gesunkene Zinsausgaben entlastet wurden und die geringen Finanzierungskosten die Investitionen und den Wohnungsbau beförderten.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Land Brandenburg

Seit dem Jahr 2003 verringert sich die Arbeitslosenquote im Land Brandenburg kontinuierlich. Diese erfreuliche Entwicklung des regionalen Arbeitsmarktes setzte sich auch 2016 fort. Im Jahresdurchschnitt belief sich die Quote auf rund 8,0 Prozent und sank damit auf das niedrigste Niveau seit der deutschen Wiedervereinigung.

Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte im Jahr 2016 einen neuen Höchststand, vornehmlich getrieben durch einen Beschäftigungsaufbau in den Dienstleistungsbereichen. Auch im Verarbeitenden Gewerbe zeigt sich im Land Brandenburg im Vorjahresvergleich eine erfreuliche Entwicklung.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes setzten die Brandenburger Industriebetriebe im Jahr 2016 mit insgesamt 23,1 Milliarden Euro 0,1 Prozent weniger als im Vorjahr um. Die Inlandsumsätze erhöhten sich dabei um 1,9 Prozent auf 16,0 Milliarden Euro, die Auslandsumsätze sanken hingegen um 4,2 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro.

Die Auftragsentwicklung war, der amtlichen Statistik zufolge, im Vergleich zum Vorjahr insgesamt rückläufig. Das Auftragsvolumen nahm – bei einem Auftragsplus im Inland von 1,4 Prozent und einem Minus im Ausland von 7,4 Prozent – um 2,0 Prozent ab.

Das Bauhauptgewerbe konnte 2016 seinen Umsatz um 7,8 Prozent deutlich steigern, der Auftragseingang erhöhte sich um 4,0 Prozent.

Nach den bisher vorliegenden Daten zeigt sich für 2016 eine positive Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes in Brandenburg. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes erhöhte es sich im ersten Halbjahr 2016 kräftig um 2,9 Prozent. Im Vergleich der Bundesländer erzielte damit das Land Brandenburg das drittstärkste Wachstum.

Prognose

Die konjunkturelle Lage in Deutschland war im Jahr 2016 durch einen soliden Wachstumskurs gekennzeichnet, der im Wesentlichen durch den inländischen Konsum getragen wurde. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum vorherigen Jahr preisbereinigt um 1,9 Prozent.

Nach Einschätzung der Bundesregierung wird sich die gute wirtschaftliche Lage auch in 2017 fortsetzen. In ihrem Jahreswirtschaftsbericht 2017 prognostiziert die Bundesregierung für das laufende Jahr eine Zunahme des preisbereinigten Bruttoinlandsproduktes von 1,4 Prozent. Der leichte Wachstumsrückgang ist dabei, so der Bericht, nicht Ausdruck einer sich eintrübenden wirtschaftlichen Perspektive, sondern lässt sich zum großen Teil auf eine geringere Anzahl von Arbeitstagen im Jahr 2017 zurückführen.

Die ILB erwartet im Jahr 2017 – nicht zuletzt aufgrund des zunächst bis Ende 2017 verlängerten Anleiheankaufprogrammes der EZB – keine stark steigenden Zinsen. Aufgrund der Aussicht auf Zinserhöhungen in den USA sind jedoch leichte Steigerungen auch im Euroraum für längere Laufzeiten möglich. Spätestens gegen Ende des Jahres wird entscheidend sein, ob und in welchem Umfang das Kaufprogramm der EZB verlängert wird. Einfluss auf die Kapitalmärkte dürften zudem die Ergebnisse der Wahlen in vielen Ländern der Eurozone, insbesondere in Frankreich und Deutschland, nehmen.

Auch für das Land Brandenburg ist für das Jahr 2017 von einer erfreulichen wirtschaftlichen Entwicklung auszugehen. Der aktuelle Konjunkturreport 2017 des Arbeitskreises der Industrie- und Handelskammern Berlin und Brandenburgs zeichnet zu Beginn des Jahres ein optimistisches Gesamtbild der wirtschaftlichen Lage in der Region. Laut Report zeigt sich die Konjunktur in Berlin-Brandenburg – trotz weltpolitischer Risiken – zum Jahresbeginn in Hochform. Mit 135 Punkten bleibt der Geschäftsklimaindex auf hohem Niveau. Im Ergebnis zeichnet die Konjunkturumfrage das Bild eines stabilen, milden konjunkturellen Klimas der Gesamtwirtschaft, in dem weder Überhitzungs- noch Abkühlungstendenzen festzustellen sind. In Brandenburg bewerten rund 94 Prozent der befragten Unternehmen die derzeitige Geschäftslage als „gut“ oder „befriedigend“, rund 88 Prozent gehen für das laufende Jahr von „eher günstigeren“ oder „eher gleichbleibenden“ Geschäftserwartungen aus. Zentrale Herausforderung der regionalen Wirtschaft bleibt der Fachkräftemangel.

Zusammenfassend zeigt der Report von Anfang 2017 folgende weitere Ergebnisse für das Land Brandenburg:

  • Gute Investitionslaune: Rund 73 Prozent der Unternehmen planen für das Jahr 2017 Investitionen. Zirka 88 Prozent dieser investierenden Unternehmen gehen hierbei von steigenden (33 Prozent) oder zumindest von gleichbleibenden (55 Prozent) Investitionsvolumina aus.
  • Positive Beschäftigungserwartungen: 24 Prozent der befragten Unternehmen planen für das Jahr 2017 einen Beschäftigungsaufbau. 62 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem gleichbleibenden Beschäftigungsumfang, 14 Prozent mit einem Beschäftigungsabbau.